Komm, Herzensbrecher
Zehr am Rand des Abgrunds
Stopf achtlos dir den Schlund. Wenn in der Tiefe
Blinde Vögel quälend langsam kreisen.

In unsern Rücken, die dürren Winde
Kräfte lang getroffener Entschlüsse
Die uns hier an diese
Letzte Tafel führten.

Die von mir begehrten Blumen
Weit drüben, auf der andern Seite
Prunken mit unversehrtem Eiskrem-Herzblatt
Zum Hohn für die, die nach mir kommen.

Blind für die Blüten, die mir still zur Seite standen
War all mein Trachten, sie zu pflücken.
Allein am großen Rand hab ich das Schiff
Auf See gelotst, da war der Hafen schon in Sicht.

Toastbrotscheiben und Mahnungsschreiben
Der Kalender an der Wand
Fotografien in Plastikrahmen
Oh, wie hell die Banalität im Verlust funkeln kann.

Es ist der Drang zum Sprung ins Unvermeidliche
Tief hinab in fremde, kalte Wasser
Wo der Blick, nach Atem ringend
Gefriert im Spiegelglanz von bodenlosen Augen.

Und trotzdem legst du deinen gottverdammten Kopf auf meine Schulter //

Doch für deine schwarze Seele spiele ich nicht das weiße Pulver.

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Nackt vorm Spiegel.

Ich will weg von der Angst, weg von mir. Ich will wieder funktionieren, hin zur Kunstfigur.

Calvin Klein-Boxer.

Zurück zu den durchzechten Nächten, von denen ich eigentlich gar nicht mehr weiß wie sie sich mal angefühlt haben. Zurück zu dem Typen, der nach zwei Flaschen Wodka Liegestützwettkämpfe vor dem Club gewinnt.

Schwarze Hose.

Weg von Tabletten. Zurück zu Joints. Zurück zu Suff, Katatonie und Kater. Zurück zu Schüler, Schreiberling und Pizzabote an einem Tag.

Weißes Hemd.

Zurück zu Sex quer durch’s Hotelzimmer. Zurück in den Moshpit.

Krawatte.

Zurück zum ersten behinderten Roman. Zurück zu den ersten Gesprächen mit Verlagen.

Sakko.

Weg vom abgefuckten Wrack auf dem Meeresgrund. Aber nicht zurück zum stolzen Dreimaster. Nur zurück zum Sinken.

Krawattenknoten.

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Der dienstägliche Horror

Der dienstägliche Horror

El Averno

Sie räkelte sich lasziv auf dem Lederchaiselongue, eine erste Regung. Seit der Orgasmus den Seismographen ihrer kleinen Welt erdbebenartig durchgerüttelt hatte, hatte sie sich keinen Millimeter bewegt. Ein Tropfen löste sich vom schimmernden Schweißfilm auf ihrer Haut und perlte ihr glattes Bein entlang, glänzte auf der gebräunten Haut und traf schließlich auf das schwarze Leder, dann auf die Fliesen.

Zu träge zum Ficken, murmelte sie tonlos während er auf allen Vieren auf dem Boden kniete als würde er beten, die fiebrige Stirn auf die kühle quadratische Fliese gepresst. Sein Mund war trocken und salzig, schmeckte nach ihrer coño.

Er rollte sich ächtzend auf die Seite und spürte seinen Kreislauf im Quadrat kriechen, spürte wie sehr er das Jenseits hasste. Das Jenseits der 30° Celsius.

Mühsam schleppte er sich auf das Sofa zu – der muskulöse Körper nichts als eine Last – und lehnte sich mit krummem Rücken dagegen. Seine Finger tasteten nach der Palette und der Karaffe, an der sich die 95% Luftfeuchtigkeit in all ihrer widerwärtigen Glitschigkeit bemerkbar machten. Er spülte die Tablette herunter und genoss die imaginäre Zitrusnote auf der Zunge. 50 Milligram Packeis in der Wüste. 50 Milligram Himmel in der Hölle.

Er verrenkte seinen Hals und blickte durch die geöffnete Glastür hinaus, über die Veranda, in den Garten auf den der tropische Regen unablässig niederprasselte. In den Garten, der mit seinen riesigen durchnässten Bäumen und dem Gesang der Vögel nicht im entferntesten an Europa erinnerte.

Gedankenverloren und völlig sediert blätterte er in der Hemingway-Geschichtensammlung und philosophierte darüber, wie der Schriftsteller diesen Ort – diesen heißen Regen – wohl empfunden hätte. Hemingway hätte ihn geliebt. Hemingway hätte ihn gehasst.

Die kleinen Lettern tanzten vor seinem Augen, verspotteten ihn, verschwammen und verschwanden. Flecken, nichts weiter. Kleine schwarze Spritzer auf der weißen Leinwand der Katatonie. Der Junge klappte den Band unsanft zu und öffnete mit seinen Zähnen eine lauwarme Flasche Bier, die er sogleich an die Lippen setzte.

Er trank in tiefen Zügen, in der Hoffnung dass ihn das Bier und die Tablette aus dem Bewusstsein ficken würden und trotzte dem Brechreiz. Währenddessen rollte sich die Schönheit wenig elegant vom Chaiselongue und lehnte sich an seine Schulter.

Cerveza, sagte sie fordernd und wusste dass er ihre Nähe, ihre heiße Haut und ihr gebrochenes Spanisch gerade nicht ertragen konnte. Sie entwandt ihm die Glasflasche und beobachtete ihn dabei, wie er abermals den Kopf in den Nacken legte um in die Welt hinauszublicken.

In seinem schwermütigen Blick lag ein Hauch von Hoffnung, als wartete er darauf den Kilimandscharo zu sehen oder soetwas wie kühle Freiheit zu spüren. Doch er sah nur den Regen und spürte nur die Hitze. Te amo, flüsterte sie in sein Ohr. Er grinste gequält. Estoy en el Averno.

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Wo’s immer regnet

Ich will mit dir dahin, wo’s immer regnet.

In ein Blockhaus am Ende der Welt, eingehüllt von nassen Schleiern.
Dahin wo es an die Fenster prasselt wenn ich neben dir wachwerde, wenn ich dir am alten Gasherd Frühstück mach.
Wo der Sturm den See aufpeitscht und wir trotzdem in ihm Baden, nur uns und die Gänsehaut spüren.

Wo es grollt und tost, während wir es wieder und wieder auf dem Fell vorm Kaminfeuer treiben.

Dorthin, wo die Tropfen unerbittlich vom Himmel auf die Veranda fallen, während ich die immer gleichen Schundromane lese und du die immer gleiche Schachtel Kippen rauchst.

Keine Musik. Kein Wort, denn es waren schon zu viele und es bedarf keines weiteren.

Nur wir und der Regen. Weil er uns an das erinnert, was wir sind.

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Fish are caught with a rod, people with words.

Hassliebe

Hass.

Ich hab’ dich immer geliebt.

Ich hab’ dich immer gehasst.

Für das, was du aus mir machtest. Für die Nächte und Promille, die uns einten und trennen. Für die Hurensöhne in on/off-Beziehungen, die es geschafft haben. Dafür, dass ich dich angebettelt habe. Dafür, mich für deine unverzeihlichen Fehler zu entschuldigen. Dafür, dass du mich kaputtgemacht hast.


Der Beste, aber immer noch nicht gut genug hm?

Irgendwo zwischen Hollywoodkitsch und Aspergersyndrom, irgendwo zwischen Fick mich und Fick dich haben wir uns verloren.

All das, was wir uns schon angetan haben.

Zwei Alphatiere auf Knien.  Zwei Depressive. Zwei Monster.

Wir sind einmal zu oft gegangen. Einmal zu oft wieder angekommen mit 3 Promille. Vielleicht, weil wir uns selbst nicht ertragen. Nicht ertragen, wie wenig blumig und poetisch unsere Leben sind. Wir sind schlechte Menschen, sind scheiße.

Prost. Wir trinken auf die Lüge, dass es jemals schön war zwischen uns. Darauf, dass die Welt zu klein ist für uns beide.

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Lässig an die Wand gelehnt, das Sektglas in der Hand, stehe ich im Abseits. Die Krawatte sitzt perfekt, das Lächeln fest wie Beton. Aber in mir tobt es, brennt es. Außen Uhrwerk, innen Chaos.

"Ich bin gekommen, um mich zu entschuldigen. Um Abbitte zu leisten. Für alles."

Ich flüstere die Worte so leise, dass ich sie selbst nicht hören kann. Sie sieht perfekt aus in ihrem Ballkleid, genießt die Bühne. Genießt den Applaus der Menge. Fällt ihrem Freund in die Arme.

"Für die Lügen. Für das Hinhalten. Für die Momente, in denen du mich von unten aus deinen großen Augen angesehen hast voller Hoffnung. Vor allem dafür, dass du nicht gut genug warst.

Was geht im Kopf eines Mannes - der diesem Wort nicht gerecht wird - vor, wenn er das perfekte Mädchen von sich wegstößt? Ihm nie eine echte Chance gibt, weil er irgendein abstraktes Ideal im Kopf hat, auf der Jagd nach einem lächerlichen Traumfrau-Hologramm?

Ich habe dich in meiner Blindheit so unendlich verletzt - und ich musste es aus zweiter Hand erfahren. Weil ich es nicht verstanden habe.

Ich bin zurückgekommen, weil ich dachte ein Spatz in der Hand sei besser als eine Taube auf dem Dach. Dachte, auf dieser Basis könnte auch nur ein Gänseblümchen wachsen. Ich bin zurückgekommen, mit dem Blauen vom Himmel im Gepäck. Und ich bin wieder gegangen.

Ich habe dich alleingelassen, für die Taube. Ich bin vom Dach gefallen. Und ich habe mir sämtliche Knochen gebrochen.”

Ich spüle den billigen Sekt die trockene Kehle herunter und gratuliere ihr. Sie ist glücklich. Und mit einem Nicken nehme ich zur Kenntnis, dass sie stärker ist als ich es je war.

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